100. Todestag von Hans Richter (1843–1916)

Am 5. Dezember 2016 jährt sich der Todestag des berühmten Bruckner-Dirigenten Hans Richter zum 100. Mal. Richter ist für die Brucknerforschung vor allem als Förderer und erster Interpret von Bruckners Symphonien von Bedeutung. Bereits beim Debüt Richters in Wien im Jänner 1875 wirkt Bruckner an der Orgel, eine künstlerische Verbindung, die sich in der Folge als überaus fruchtbar erweisen soll. Gesegnet durch außergewöhnliches Charisma und hervorragendes praktisches Können wird er später an die Wiener Hofoper berufen und leitet über viele Jahre hindurch die Abonnement-Konzerte der Wiener Philharmoniker sowie die Konzerte der Gesellschaft der Musikfreunde. Dank Richters feiert Bruckner in Wien seine größten Erfolge.

Richter, von Bruckner auf das Höchste geschätzt, erkennt das musikalische Genie des Komponisten und tritt mit Überzeugung für ihn ein. Er setzt die Symphonien auf das Programm seiner Gastdirigate und erhebt ihn damit zu internationaler Berühmtheit. Das gegenseitige künstlerische Verständnis unterstreicht nicht zuletzt die Tatsache, dass Richter – im Gegensatz zu anderen zeitgenössischen Dirigenten – in keine der Partituren eingreift und diese dem ursprünglichen Willen des Komponisten entsprechend übernimmt. Die Reihe der Wiener Erstaufführungen beginnt mit der Vierten Symphonie, WAB 104, die er am 20. Februar 1881 gegen den Willen des Orchesters auf das Programm des Philharmonischen Konzertes setzt. Am 21. März 1886 dirigiert er mit großem Erfolg die Siebte Symphonie, WAB 107, deren Wiener Aufführung selbst Bruckner anfangs ablehnt. Am 25. Jänner 1891 folgt die Darbietung der Dritten Symphonie (3. Fassung), WAB 103, am 13. Dezember desselben Jahres die Wiener Fassung der Ersten Symphonie, WAB 101. Der persönlichen Aussage Bruckners zufolge prophezeit ihm Richter mit diesem Werk die „Unsterblichkeit“. Als einer von wenigen zeigt sich der Dirigent in der Folge von der Achten Symphonie, WAB 108, begeistert und hebt diese in der 2. Fassung am 18. Dezember 1892 wiederum mit großem Erfolg aus der Taufe.

Rechtzeitig zum 100. Todestag des einst gefeierten Dirigenten erschien eine Neuauflage der Biographie von Christopher Fiefield (Hans Richter. Verlag Boydell Press. Suffolk 2016, 804 Seiten). Die gegenüber der Erstausgabe (True artist an true friend. A biography of Hans Richter. Clarendon Press. Oxford 1993, 539 Seiten) stark erweiterte Auflage nimmt erstmals Bezug auf Richters Dirigierbücher. Über die exakte Dokumentation seiner Auftritte hinaus liefert das Verzeichnis wertvolle Details zur Biographie.

Auch die Wiener Philharmoniker gedenken ihres großen Dirigenten und widmen ihm das am 5. Dezember 2016 stattfindende Abonnement-Konzert. Auf dem Programm steht der symphonische Zyklus Má Vlast von Bedřich Smetana, zu dem Richter ebenfalls eine besondere künstlerische und persönliche Verbindung pflegte. Einmal mehr ist es Richter, der auch diesen Komponisten in die philharmonischen Konzerte einführt und ihm zu großen Erfolgen verhilft.


NEUERSCHEINUNGEN

Die Klaviermusik Anton Bruckners. Bruckner-Tagung Kremsegg 2015. Bericht. Hg. Andreas Lindner, Klaus Petermayr. Linz 2016. 152 S.